30. November 2013
Samstag, den 30. November 2013 um 21:51 Uhr

Kunstturnen männlich

Uwe Reichert als Kampfrichter in Japan

Es wird der Höhepunkt eines ereignisreichen Jahres, wenn Uwe Mitte Dezember nach Japan fliegt. Dort wird er als Kampfrichter beim „Toyota-International-Gymnastics-Competition“, einem Einladungswettkampf im Kunstturnen, die Übungen der weltbesten Turner bewerten.

„Das ist toll, das ist ein absolutes Highlight“, so Uwe. Mit dieser Einladung hatte er nicht gerechnet, eher mit einem Juniorenländerkampf, aber diese Zusage kommt nicht von ungefähr.

Seit 25 Jahren ist Uwe als Kampfrichter unterwegs, hat zuvor selbst geturnt und sich über manche Entscheidung geärgert. Dann hat er die Seiten gewechselt, war zuerst Vereinskampfrichter und Trainer beim Bundesligisten TSG Grünstadt und ist seit rund 10 Jahren als neutraler Kampfrichter in der Bundesliga unterwegs. Doch sportlich nicht nur „ganz oben“ findet  man ihn. Er wertet auch bei Gau-, Pfalz- oder Rheinland-Pfalz-Meisterschaften und hilft im Speyergau bei seinem Kollegen Helmut Metz aus. Der Austausch und die Chemie stimmen. Das ist wichtig für Uwe, denn er wertet nicht nur in den Turn-Bundesligen, er teilt auch die rund 150 Kampfrichter der ersten, zweiten und dritten Liga zu den Wettkämpfen ein. Dazu gehören alle Wettkämpfe der Deutschen Turnliga, wie auch das Liga-Finale, bei dem er am vergangenen Wochenende in Karlsruhe nicht nur die Einteilung vornahm, sondern auch selbst mit am Wertungstisch saß.

Vor zwei Jahren wurde er in Leipzig zum „Wettkampfbeauftragten der Abteilung Männer“ der Deutschen Turnliga gewählt. Durch die Funktion ist er viel unterwegs, doch er ist nicht nur Funktionär. Rund 20 Einsätze als Kampfrichter nimmt Uwe im Jahr selbst noch war, behält den Kontakt zur Basis nicht zuletzt als Trainer des Stützpunktes im Westpfalz-Turngau und des TVH, was ihn viermal pro Woche in die Turnhalle führt.

Dies allein würde vom Aufwand schon reichen, doch im PTB ist er seit fünf Jahren für das Wettkampfwesen zuständig. Hier teilt er sich die Aufgaben mit Rudi Brand aus Grünstadt. Dass sein Engagement nicht unbeachtet bleibt, freut Uwe und offensichtlich hat es jetzt erste „Früchte“ getragen. Obwohl er schon seit 12 Jahren einer von nur 40 deutschen Kampfrichtern ist, die die internationale Lizenz besitzen, die er erst im Februar wieder erneuern musste, sah er noch kürzlich einen internationalen Einsatz in weiter Ferne.

Umso überraschter war er, als ihn Holger Albrecht, Deutschlands „oberster“ Kampfrichter und Mitglied im internationalen technischen Komitee im Männerturnen, Anfang des Monats beim Deutschlandpokal in Bous ansprach. „Wir müssen uns nachher mal unterhalten“ sagte er. Uwe: „Da grübelst du schon, was habe ich jetzt wieder gemacht?“. Doch es war kein Kritikgespräch, Albrecht stellte ihm die Japan-Reise in Aussicht, womit auch sein Engagement am Kampfrichtertisch und in der Organisation honoriert werde. „Da habe ich spontan zugesagt, das war gar keine Frage“.

Die Reise hat der Deutsche Turnerbund (DTB) organisiert. Mit dabei sind als Teilnehmer der zweifache Olympia-Silbermedaillen-Gewinner Marcel Nguyen und Olympiateilnehmer Andreas Toba. Einziger deutscher Kampfrichter ist Uwe. Sie fliegen zusammen von Frankfurt direkt nach Nagoya. Fünf Tage dauert die Reise. „Ich bin total neugierig drauf“, steigt die Spannung bei Uwe. Noch kennt er die anderen Teilnehmer nicht. Vielleicht wird Sechsfachweltmeister und Olympiasieger Kohei Uchimura in seiner Heimat an den Geräten sein.

Der bevorstehende Höhepunkt eines ereignisreichen Herbstes führt bei Uwe keinesfalls zum Höhenflug. Er war noch beim Aufstiegsfinale der 1. und 2. Bundesliga in Stuttgart vorletzte Woche am Kampfrichtertisch, ebenso hatte er letzte Woche noch eine Einladung zum DTB-Pokal in Stuttgart.

Der Turnverein und die Turner gratulieren Uwe zu seinen Erfolgen und wünscht ihm für die Zukunft alles Gute.

Foto: © Thomas Hutzler